Handwerker in Europa

Das Handwerk umfasst zahlreiche gewerbliche Tätigkeiten. Unter Handwerk versteht man Produkte, die zum Beispiel auf Bestellung von einem Handwerker gefertigt werden oder auch Dienstleistungen, die auf Nachfrage erbracht werden, zum Beispiel der Fliesenleger der mit dem Fliesenschneider die Fliesen in Ihrem Bad in die richtige Form bringt. Das Handwerk und die daraus resultierenden handwerklichen Tätigkeiten stehen der Massenproduktion durch die Industrie gegenüber. In der Handwerksordnung wurde das Handwerk in Deutschland festgeschrieben.

In der Handwerksordnung ist detailliert aufgeführt, welche Handwerksbetriebe zulassungspflichtig, welche Betriebe zulassungsfrei und, welche Gewerbebetriebe handwerksähnlich sind. In der Handwerksordnung ist im Einzelnen, die Anzahl der Handwerksbetriebe in den einzelnen Tätigkeitsbereichen beziehungsweise Tätigkeitsfeldern aufgeführt. Diese genaue Auflistung dient dem Handwerker-Pfusch Rechnung zu tragen. Es sollen dadurch die Schwarzarbeit und das Arbeiten von Personen ohne fachliche Ausbildungen verringert, wenn möglich verhindert werden. Das Hauptzollamt führt Kontrollen in den einzelnen Handwerksbetrieben bezüglich der fachlichen Grundlagen / fachlichen Qualifikationen der Arbeiter durch. Die Handwerksbetriebe, die sich nicht an die Handwerksordnung halten, drohen hohe Strafen drohen, bis hin zur Schließung des Handwerksbetriebes.

Nicht nur deutsche Handwerksbetriebe bieten in Deutschland ihre handwerklichen Tätigkeiten an, sondern mittlerweile sehr viele europäische Handwerker versuchen in Deutschland Fuß zu fassen und hier Aufträge zu erhalten. Die europäische Dienstleistungsrichtlinie regelt, welche Handwerker aus den europäischen Mitgliedsstaaten in Deutschland ihre handwerklichen Tätigkeiten anbieten können. Diese europäische Dienstleistungsrichtlinie wurde neu verabschiedet (gelockert) und somit ist es nunmehr für die Mitgliedsstaaten Europas einfacher, ihre Tätigkeiten in Deutschland anzubieten.

Die EU hat diese „Lockerung“ über die Richtlinie 64/427/EWG genauer geregelt. Deutschland hat diese Richtlinie mit der EWG/EWR-Handwerk-Verordnung umgesetzt. Somit können Handwerker mit Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern nach § 9 Handwerksordnung eine Ausnahmebewilligung zur Eintragung in die Handwerksrolle erhalten.

Die Bestimmung, dass nur Erfahrungen aus anderen europäischen Staaten, aber keine Erfahrungen aus Deutschland als Ausnahmegrund zur Eintragung in die Handwerksrolle nach § 9 Handwerksordnung anerkannt werden, ist eine Inländer-Diskriminierung. Dies hat auch der österreichische Verfassungsgerichtshof so gesehen und die dortigen Bestimmungen als verfassungswidrig aufgehoben. Die Inländer-Diskriminierung ist vorhanden, da in Deutschland der Meisterzwang notwendig ist, der zu Beginn erwähnte Fliesenleger mit dem Fliesenschneider, darf nur selbständig arbeiten, wenn er eine erfolgreiche Meisterprüfung hinter sich gebracht hat.

Aufgrund dieser Inländer-Diskriminierung wird die EU immer wieder genötigt, die Zugangsmöglichkeiten für Handwerker aus anderen EU-Staaten zu erleichtern. Doch dies ist noch nicht gesetzlich verankert.