EU-Binnenmarkt

Der gemeinsame europäische Binnenmarkt ist wohl die größte Leistung der Europäischen Union und eines ihrer wesentlichen Merkmale. Der gemeinsame Binnenmarkt ist die Grundlage für die gesamte wirtschaftliche Verknüpfung der EU und Garant für den Warenfluss unter den Mitgliedsstaaten. Dabei stützt sich dieser recht komplexe und weitverzweigte Markt auf vier wesentliche Freiheiten, die für einen Staat alleine selbstverständlich sind, für eine Gemeinschaft aber beachtenswert.

Die Freiheit der Waren

Die Staaten garantieren, dass innerhalb der EU die Waren frei gehandelt werden dürfen. Es bestehen zwischen den EU-Ländern keine Zollschranken oder sonstige Hindernisse. Zudem sind die Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, den Handel von allen Waren zu zulassen, die in einem anderen Land auch gehandelt werden dürfen. In Deutschland hat dieser Grundsatz schon zweimal für Aufregung gesorgt. Es ging beide Male um die Einfuhr von Alkohol, der aufgrund deutscher Verordnungen, wie dem Reinheitsgebot für Bier aus dem Jahr 1516, nicht importiert werden durfte. Nach dem Reinheitsgebot darf Bier nur aus den Bestandteilen Hopfen, Gerste, Hefe und Wasser bestehen. Deswegen wurde zunächst die Einfuhr eines Bieres mit anderen Zusatzstoffen verboten. Durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes aus dem Jahr 1987 wurde dieses Verbot aufgehoben und das Bier durfte auf den deutschen Markt gebracht werden. Die Klage gegen das Verbot wurde übrigens von der Europäischen Kommission eingelegt, da sie eine Verletzung europäischen Rechts sah.

Die Freiheit der Waren ermöglicht es Produzenten für einen wesentlich größeren Markt zu produzieren, da innerhalb der EU keine Zollgrenzen bestehen und sich die Waren durch die Zölle nicht verteuern. Damit hat ein Produzent in der EU einen wesentlich größeren Absatzmarkt. Durch die gemeinsame Währung dem Euro bieten sich zusätzliche Vorteile. Vor dem Euro unterlagen die Preise noch Wechselkursschwankungen, die den Handel behinderten. Für den Kunden bietet der gemeinsame Binnenmarkt die Möglichkeit Produkte ohne Probleme aus der gesamten Europäischen Union beziehen. Das geht bekanntlich am bequemsten über das Internet. Gleichzeitig wird die Qualität der Waren durch die Richtlinien und Vorschriften der EU garantiert. Dies gilt sowohl für die Qualität der Waren an sich oder die Garantie nach dem Kauf.

Die Freiheit der Dienstleistungen

Die Freiheit der Dienstleistungen ermöglicht es jedem Dienstleister in der EU seine Leistungen in allen Mitgliedsländern anzubieten. Zum Beispiel kann ein griechischer Werbetexter für ein französisches Unternehmen die Werbung erstellen. Oder ein spanischer Finanzberater eine italienische Firma oder Privatkunden beraten. Dies bietet für den Kunden die Möglichkeit, Preise, zum Beispiel bei Handwerkern, zu vergleichen und so für sich das günstigste Angebot zu finden. Gleichzeitig erhöht sich für die Unternehmen natürlich der Wettbewerbsdruck.

Die Freiheit des Arbeitsplatzes

Jedem EU-Bürger ist es dadurch erlaubt, seinen Arbeitsplatz innerhalb der EU frei zu wählen und seiner Tätigkeit nachzugehen. Zudem ist es ihm freigestellt in dem Land zu wohnen, in dem er seinen Arbeitsplatz hat. Die Freizügigkeit wird zusätzlich durch soziale Standards, die durch EU-Gesetze garantiert werden, unterstützt. Es steht also jedem frei, seinen Wohnort und Arbeitsplatz frei zu wählen.

Die Freiheit des Arbeitsplatzes war in letzter Zeit öfter Thema in der Presse. Es ging in diesem Zusammenhang darum, dass immer mehr deutsche Ärzte in anderen Ländern, wie Dänemark zum Beispiel, praktizieren. Dabei werden die Abschlüsse und die Berufserlaubnis in allen EU-Staaten anerkannt. Durch die Vereinheitlichung der Studienabschlüsse wird es den EU-Bürgern ermöglicht, sich noch stärker auf dem europäischen Arbeitsmarkt präsentieren zu können und so vielleicht in einem beliebigen Land der EU-Arbeit zu finden.

Es steht also jedem frei, die besten Berufschancen innerhalb der EU zu suchen und danach seinen Arbeitsort zu wählen.

Die Freiheit des Kapitals
Durch die Garantie des freien Finanzstroms kann jeder EU-Bürger in jedem Unternehmen oder bei jeder Bank innerhalb Europas investieren. Auch hier sorgt der gemeinsame Währungsraum für große Vorteile.